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| Animal Hoarding |
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Dr. med. Kubitschek über das krankhafte Horten von Tieren
Der Fall Schildau erwies sich als vergleichsweise harmlos
Das Hundeelend von Schildau ist auch in Deutschland trauriger Alltag. Erst wenige Wochen vorher war es in Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) zu einem weiteren Fall von Tiere-horten gekommen. In der kleinen Stadt hatte eine Frau in einem verlassenen Haus 19 Hunde gehalten, die völlig verwahrlost und unterernährt waren. Aufgrund der Beschwerden der vom ständigen Gebell der Hunde genervten Nachbarn wurden alle Hunde beschlagnahmt und von Tierschützern in Pflegestellen vermittelt. Ähnliche Fälle ereignen sich in vielen Ländern. Das Fachblatt Health and Social Work untersuchte 71 Fälle, die sich in bestimmten Punkten wie ein Ei dem anderen glichen. Insbesondere die Verwahrlosung der Tierhalter wurde von den Sozialarbeitern als charakteristisch angesehen. Oft funktionierte die Strom- und Wasserversorgung nicht mehr, was die Situation zusätzlich erschwerte. US-Tierärzte definieren den Begriff „Animal Hoarding“Für die Beurteilung des für die betroffenen Tiere und Menschen so belastenden Phänomens wird immer häufiger eine Definition herangezogen, die die amerikanische Tierärztevereinigung anläßlich einer Studie publiziert hat. Von „Animal Hoarding“ spricht man demnach, wenn eine Ansammlung einer großen Zahl von Tieren die Fähigkeiten des Tierhalters übersteigt, sanitäre und tierärztliche Minimalstandards der Tierpflege einzuhalten. Fehlende Einsicht der Tierhalter in die Abnormität der konkreten Situation (Allgemeinzustand und Krankheiten der Tiere, sanitärer und allgemeiner Zustand der Wohnung etc.) und ein Mangel an Einsicht in die negativen Folgen des Hortens der Tiere sowohl für die schutzbefohlenen Tiere, wie auch für die Gesundheit des Tierhalters kommen hinzu. Der entscheidende Punkt der Grenzüberschreitung zwischen „normal“ und „krankhaft“ ist aber nicht die absolute Zahl der gehaltenen Tiere, sondern in erster Linie die fehlende Einsicht des Tierhalters in die Untragbarkeit der Situation. Dadurch wird nicht an der Lösung des Problems gearbeitet . Außerdem entfällt oft die Möglichkeit der Hilfe und Einwirkung von außen. Schildau und Parchim waren für die Tiere das Fegefeuer – Pommersdorf aber die Hölle
In dem nur zwanzig Häuser großen Ort Pommersdorf wurde eine schwer kranke Frau in ihrem Bett gefunden, die halb tot in ihren eigenen Exkrementen lag. Nachdem von den Nachbarn viel zu spät Hilfe gerufen wurde, starb die 63-jährige auf dem Weg ins nächstgelegene Krankenhaus im Rettungswagen. Zusammen mit der schwerkranken Tierhalterin hausten fast 80 verwahrloste Hunde in einem nur 15 Quadratmeter großen Raum, einige der Tiere waren bereits tot und lagen halb verwest auf dem Fußboden. In Pommersdorf und Umgebung wußten Nachbarn und Verwandte zwar von den untragbaren Zuständen am Hof der verstorbenen Brigitte Brandt (Name wurde geändert) doch passiert ist nichts. Auch den zuständigen Behörden war die Verstorbene gut bekannt. Bereits vor drei Jahren musste sich die Pudelzüchterin wegen der Haltung ihrer damals vierzig Hunde vor dem Veterinäramt verantworten. Behördenauflagen nützten nichtsVon der zuständigen Behörde wurden strenge Auflagen erteilt, doch Kontrollen fanden danach offenbar nicht statt. Die Hundezahl verringerte Frau Brandt nicht. Im Gegenteil, sie verdoppelte ihren Bestand an Pudeln. Amtstierarzt Dr. Franz Appel verteidigte sich in der empörten Öffentlichkeit: „Die Frau hat niemanden hineingelassen und mit Selbstmord gedroht, falls man ihr die Hunde wegnehmen würde.“ Weggeschaut haben nicht nur die Behörden, sondern letztendlich auch Verwandte und Nachbarn. Diese holten erst Hilfe, als sie die Frau für tot hielten. Die Pensionszahlungen lieferte der Briefträger angeblich schon längere Zeit bei den Nachbarn ab.
Hunde lebten und starben in ihrem eigenen Kot„Im Zimmer und im Hof lagen Hundekadaver herum. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Die überlebenden Hunde sahen aufgrund der Kotplacken in ihrem Fell wie Schildkröten aus und konnten kaum noch gehen.“ Ein 14 kg schwerer Hund hatte ein kotverklebtes Fell das 12 kg wog. Ein anderer Hund war durch seinen Kot am Fußboden festgeklebt.“ Geburtenkontrolle wird vernachlässigtEiner der wenigen Sachverständigen, der österreichische Arzt und Hundexperte Hans Mosser, erläutert im Internet (http://www.wuff.at/), dass es sich beim „Animal Hoarding“ nicht etwa um fehlgeleitete Tierliebe, sondern um eine psychische Erkrankung des Tierhalters handelt. „Manche halten diese Menschen für übertriebene Tierschützer, die jedem Tier ein Zuhause geben wollen. Aber es ist nicht übertriebene Tierliebe, um die es hier geht, sondern ein menschliches Gesundheitsproblem, eine psychische Erkrankung. Es handelt sich dabei um Menschen, die – häufig alleinstehend und sozial isoliert – herrenlose Tiere horten. Üblicherweise erfolgt keine Kontrolle der Fortpflanzung der Tiere, so dass das Problem in relativ kurzer Zeit eskaliert. Die betroffenen Menschen vernachlässigen sich und die Wohnung, es kommt in der Wohnung zur Anhäufung manchmal unvorstellbarer Mengen tierischer Exkremente, sogar im Bett des Menschen, dem dies nichts mehr auszumachen scheint.“
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