|
Eine Reise nach Plovdiv - Missbrauch des Tierschutzgesetzes in Bulgarien
Sie erinnern sich? Am 8.2.2008 waren zwei bulgarische Bürger unfreiwillige Zeugen eines grausamen Tiermassakers im „Tierheim“ Plovdiv (Bulgarien). Die Tat wurde von der Heimleitung lange verleugnet, die Protestschreiben der Tierschützer ignoriert. ÄRZTE FÜR TIERE startet eine politische Massenprotestaktion. Der Bürgermeister von Plovdiv, der bulgarische Generalstaatsanwalt und die Vize Ministerpräsidentin Plugtschieva bekommen Post - tausende von Briefen, aus ganz Europa Die erste Reaktion kam von Bürgermeister Atanassov. In einem dreiseitigen Brief an uns dementierte er in Serie. Unser Bericht entspreche nicht der Wahrheit...
Der Bürgermeister wäscht seine Hände in Unschuld
Das „Ereignis“ am 8. Februar 2008 hätte sich doch zugetragen, nur handele es sich hier nur um eine „Euthanasie“… „vorschriftsgemäß“… „medizinisch korrekt“… und „schmerzlos“. Die Eisenstangen, mit denen zwei „Pfleger“ die Hunde abgeschlachtet haben, wurden zu „Kunststoffgriffen“ umgedichtet, die zur Fixierung der Tiere dienen, zur Sicherheit des Arztes, versteht sich. Eine Masseneuthanasie von GLEICHZEITIG ca. 14 Hunden in einem sehr kleinen Raum mit Zementboden, ohne Arzt, nur in Anwesenheit der zwei Pfleger - gilt das in Bulgarien als eine gesetzmäßige Handlung? Am 4. Oktober - wir fahren nach Plovdiv
Die Ereignisse in Plovdiv lassen uns keine Ruhe. Eine Delegation von ÄRZTE FÜR TIERE fährt daher nach Plovdiv um sich vor Ort ein Bild über die Zustände zu machen. Gleich am nächsten Tag versuchen wir, in das Lager reinzukommen und stehen vor verschlossener Tür. Klopfen und Klingeln hilft nicht - es erscheint kein Wächter, nur das Jaulen und Winseln der eingesperrten Hunde wird lauter.  In diesem Raum fand die Wo sind die diensthabenden Pfleger? Gibt es am Samstag keine Hilfe für kranke und verletzte Tiere? Kein Futter, kein Wasser, keine Reinigung der Zellen?
Die Fragen können wir uns gleich am Montag, den 6. Oktober am frühen Morgen selbst beantworten. Nach anfänglichem Zögern wird uns zu viert doch noch der Eintritt in das Lager gewährt. Da der Besuch nicht angemeldet war, hatten die Bediensteten keine Zeit für die Reinigung und Versorgung der Tiere. Die Bilder sprechen für sich...
Er hat Hunger, kein Futter und Wasser da |
Die Zellen sind nicht gereinigt |
Bitte nimm mich mit! ***Ich wurde vermittelt*** |
Kot und Urin auf dem Zementboden |
Die blaue Plastiktonne
Die nach Schlamm stinkende, mit kalter, undefinierbarer Flüssigkeit gefüllte Tonne ist die „Desinfektionsstation“. Dort werden die Neuzugänge der Reihe nach reingetaucht: alte, junge, gesunde und verletzte Hunde. Auch bei Minustemperaturen im Winter. Und danach werden sie wieder auf den Zementboden der Zellen zurück gebracht, erklärt der Doktor. Auch bei Minustemperaturen im Winter?
Das einstündige Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter - Dr. Bekirski…
…fand im „Operationsraum“ statt, dort wo die Kastrationen durchgeführt werden. Keine Spur von sterilen Op-Verhältnissen in diesem Zimmer, das gleichzeitig als Büro und Aufenthaltsraum dient. Hier ist die Wirkstätte des jungen Arztes, der vor ca. einem Jahr sein Studium der Veterinärmedizin abgeschlossen hat. In dem Lager bekam er seine erste Stelle. Seit dem ersten Tag kastriert er - ohne sichere Anleitung. Dementsprechend ist die Sterblichkeit der kastrierten Tiere auch um das zehnfäche höher als in der privaten „Provetklinik“ in Plovdiv, die wir ebenfalls aufgesucht haben. Wir haben 30 Fragen gestellt und die Antworten des diensthabenden Arztes und stellvertretenden Leiters Bekirski protokolliert. Hier ein Auszug aus dem Protokoll:
ÄRZTE FÜR TIERE: Wie stellen Sie die Diagnose „aggressiver Hund“, die eine der zwei zur Euthanasie führenden Indikationen ist? Dr. Bekirski: Man sieht wie sich der Hund verhält, wenn man an den Zellen vorbei läuft. Außerdem habe ich mich ein Semester lang mit Hundepsychologie beschäftigt.
ÄRZTE FÜR TIERE: Wie werden die aggressiven Hunde entparasitiert? Dr. Bekirski: Genau so wie die anderen. [Anm.: Gemeint ist damit das Eintauchen in die blaue Tonne]
ÄRZTE FÜR TIERE: Ist das nicht gefährlich? Dr. Bekirski: (Keine Antwort)
ÄRZTE FÜR TIERE: Wechseln Sie die Desinfektionslösung? Dr. Bekirski: Manchmal…
ÄRZTE FÜR TIERE: Die Sterblichkeit der hier kastrierten Hunde ist sehr hoch. Haben Sie eine Erklärung dafür? Dr. Bekirski: Nein…
ÄRZTE FÜR TIERE: Entspricht dieses Zimmer den üblichen Standards für einen Op-Raum? Dr. Bekirski: Ich habe das Zimmer nicht eingerichtet, ich operiere nur…
Resümee: Im Stadtzentrum von Plovdiv gibt es keine Hunde, dafür wächst die Population der Straßenkatzen explosionsartig. Die Lebensverhältnisse der Tiere im Lager sind katastrophal und in krasser Diskrepanz zu dem Tierschutzgesetz. Auffällig viele Tiere „verschwinden“ auf unbekannten Wegen. Ob sie tatsächlich wieder frei gelassen werden, kann man nicht nachweisen. Auffällig oft wird die Indikation für Euthanasie (finale Erkrankungen und Aggression) gestellt. Kompetenz und professionelles Handeln der dort beschäftigten Ärzte wird auch von den Tierschützern vor Ort unter Zweifel gestellt. Solange eine wirksame Kontrolle und unabhängige Beobachtung nicht gewährleistet sind, ist mit einer Verbesserung der traurigen Situation der Straßenhunde nicht zu rechnen.
Herr Minkov mag Tiere
 ***Ich wurde vermittelt*** Wahrscheinlich auch deswegen durfte unser sanftmütiger Riese Dani auch mit ins Zimmer. Ihn haben wir halb verhungert und verletzt von einer vielbefahrenen Schnellstraße mitgenommen. Herr Minkov ist Direktor der Abteilung für Ökologie und Umweltschutz der Gemeinde Plovdiv. Er ist verantwortlich für die Anwendung des vom Gesetz vorgeschriebenen Programms für humanen Umgang mit den Straßentieren.
Auf unsere Empörung über die Zustände im Tierheim reagiert Herr Mankov sehr gelassen: „Wir sollten in die Zukunft blicken, im nächsten Jahr wird alles besser, dafür werde ich mich einsetzen.“
Na hoffentlich, Herr Minkov! Nur mit optimistischen Prognosen werden die Tiere nicht überleben! Sie brauchen unsere Hilfe – SOFORT!
ÄRZTE FÜR TIERE hat eine DREI PUNKTE Sofortmaßnahme vorgeschlagen:
1. Finanzierung einer elektronischen Überwachungsanlage für alle Bereiche des Lagers. Kameras übertragen alle Vorgänge an einen zentralen Computer und gestatten so auch von außerhalb jederzeit Einblick in die Abläufe im Lager.
2. Finanzierung einer Stelle für einen neutralen, im Lager anwesenden Beobachter.
3. Antrag vor der Generalstaatsanwaltschaft Bulgariens auf Stilllegung des „Tierheims“ und Durchführung der dringend notwendigen Umbauarbeiten seitens der Stadt Plovdiv.
Helfen Sie, damit wir helfen können! Die Tiere brauchen Sie - JETZT!
Bankverbindung: Hypovereinsbank Fürth Konto-Nr.: 348 177 192 BLZ: 762 200 73
IBAN: DE68 7622 0073 0348 1771 92 SWIFT-BIC: HYVE DE MM 419 |